Am 9. September 2026 wurde es im Darmstädter Rechenzentrum (DARZ) bewusst ernst: Im Rahmen eines geplanten Black-Building-Tests wurde dem laufenden Rechenzentrum die externe Stromversorgung entzogen. Kein Zwischenfall, keine Panne – sondern ein kontrolliert herbeigeführtes Belastungsszenario unter realen Bedingungen. Der Test wurde erfolgreich durchgeführt.
Für die meisten Menschen klingt das nach einer technischen Fingerübung für Rechenzentrumsbetreiber. Für uns ist es der Anlass, eine Frage zu stellen, die weit über USV-Anlagen und Generatoren hinausgeht: Ist Ihre IT eigentlich so aufgebaut, dass sie einem solchen Moment standhält?
Rund 30 Sekunden, auf die es ankommt

Wie ein Black-Building-Test funktioniert
Beim Black-Building-Test wird die reguläre externe Stromversorgung eines Rechenzentrums vollständig unterbrochen. Unmittelbar danach überbrücken USV-Anlagen (unterbrechungsfreie Stromversorgungen) den Netzausfall batteriegestützt. Parallel starten die Netzersatzanlagen – im Volksmund Generatoren genannt – und übernehmen anschließend die längerfristige Versorgung. Der Test prüft damit unter realen Bedingungen das vorgesehene Zusammenspiel der gesamten Notversorgungsinfrastruktur.
Für einen der Einspeisewege war beim Test vom 9. September 2026 eine ungefähr 30-sekündige Unterbrechung angekündigt. Dreißig Sekunden – das klingt nach wenig. Für ein einzelnes Gerät, das ausschließlich von diesem Versorgungsweg abhängt und über keine weitere Überbrückung oder Redundanz verfügt, können diese 30 Sekunden jedoch einen Neustart oder eine Nichtverfügbarkeit bedeuten.
Der entscheidende Punkt: Eine ungefähr 30-sekündige Unterbrechung eines Versorgungspfades bedeutet nicht automatisch eine ebenso lange Unterbrechung einer Geschäftsanwendung. Ob daraus ein Anwendungsausfall entsteht, hängt vollständig von der Architektur der dahinterliegenden IT-Infrastruktur ab.
Zwei Netzteile sind noch kein Ausfallkonzept
Viele Server, Storage-Systeme und Netzwerkkomponenten verfügen heute über zwei eingebaute Netzteile. Das schützt zuverlässig gegen den Ausfall eines einzelnen Netzteils – aber nur dann wirkungsvoll, wenn beide Netzteile tatsächlich auf voneinander unabhängige A- und B-Versorgungswege verteilt sind.
Hängen beide Netzteile am selben Versorgungspfad – statt auf getrennte A- und B-Versorgungswege verteilt zu sein –, schützt ihre doppelte Ausführung nicht vor dem Ausfall dieser gemeinsamen Abhängigkeit. Die Hardware ist dann zwar doppelt vorhanden, die Abhängigkeit aber nicht beseitigt.
Hinzu kommt: Nicht jedes Gerät besitzt zwei Netzteile. Redundanz kann jedoch auch auf Systemebene entstehen – durch mehrere redundant aufgebaute Geräte oder Instanzen, die voneinander unabhängige technische Abhängigkeiten besitzen. Entscheidend sind dabei stets die tatsächlich getrennten Versorgungspfade, ausreichende verbleibende Kapazitäten und das Zusammenspiel des Gesamtsystems.
Genau hier liegt der Unterschied zwischen einer Infrastruktur, die auf dem Papier redundant aussieht, und einer, die es unter realen Bedingungen tatsächlich ist.
Hängen beide Netzteile am selben Versorgungspfad, schützt ihre doppelte Ausführung nicht vor dem Ausfall dieser gemeinsamen Abhängigkeit. Redundanz entsteht durch das geplante Zusammenspiel vieler Komponenten – nicht durch einzelne Produkte.
— opticom IT-Systemhaus GmbH
Wenn Redundanz am Kabel hängt

Die Verkabelung als letztes Glied der Kette
Am Ende kann eine ausgeklügelte Redundanzarchitektur an einem erstaunlich einfachen Bauteil hängen: dem Kabel. Eine auf dem Papier sauber getrennte Architektur – mit getrennten Versorgungspfaden, redundanten Geräten und durchdachten Failover-Konzepten – funktioniert nur dann, wenn die tatsächliche Verkabelung diese Trennung ebenfalls konsequent umsetzt.
Ein falsch zugeordneter Anschluss kann dazu führen, dass vermeintlich unabhängige Systeme in der Realität dieselbe technische Abhängigkeit besitzen. Die Konsequenz: Ein Ereignis, das laut Planung nur einen Pfad betreffen sollte, betrifft plötzlich beide.
Das ist kein hypothetisches Szenario – es ist ein klassisches Risiko in gewachsenen IT-Infrastrukturen. Strukturierte Verkabelung, sorgfältige Dokumentation und die Nachvollziehbarkeit jeder einzelnen Verbindung sind deshalb kein Selbstzweck. Sie sind die Grundlage dafür, dass eine geplante Architektur in der Realität auch tatsächlich so funktioniert, wie sie auf dem Papier beschrieben ist.
Das DARZ als Infrastrukturgrundlage – und was danach kommt
Das Darmstädter Rechenzentrum stellt mit seiner professionellen Gebäude-, Energie- und Rechenzentrumsinfrastruktur die Grundlage bereit. Das DARZ verfügt nach eigenen Angaben über Zertifizierungen wie ISO 27001:2022 und entspricht der DIN EN 50600 CAT III. Diese Nachweise beziehen sich auf die Rechenzentrumsinfrastruktur des DARZ.
Wie die darauf betriebene IT-Plattform mit dem Ausfall einzelner Komponenten oder Versorgungswege umgeht, ist anschließend eine Frage ihrer konkreten Architektur. Das Rechenzentrum schafft die Voraussetzungen. Was innerhalb dieser Umgebung läuft, wie es konfiguriert, verbunden, überwacht und im Fehlerfall behandelt wird – das liegt in der Verantwortung desjenigen, der die IT-Plattform betreibt.
Opticom betreibt im DARZ eine eigene IT-Plattform und verantwortet deren Konzeption und Betrieb im jeweiligen Leistungsumfang. Unsere Server-Racks verfügen über zwei voneinander getrennte Stromzuleitungen. Eine Zuleitung wird über USV und Notstromversorgung geführt, die andere über die entsprechende Generator- und Notstromversorgung. Geräte mit redundanten Netzteilen können auf diese Weise auf getrennte Versorgungswege verteilt werden – die Grundvoraussetzung dafür, dass eine Unterbrechung eines Versorgungspfades nicht automatisch ein gesamtes System betrifft.
Ausfallsicherheit beginnt mit einem belastbaren IT-Konzept
Architektur mit Weitblick
Ein hochverfügbarer Server allein genügt nicht, wenn Storage oder Netzwerk einen einzelnen Ausfallpunkt bilden. Zwei Firewalls ergeben keine sinnvolle Redundanz, wenn beide dieselbe kritische Abhängigkeit besitzen. Hochverfügbarkeit entsteht durch das geplante Zusammenspiel vieler Komponenten – nicht durch einzelne Produkte.
Monitoring und Alarmierung
Monitoring verhindert keinen Defekt. Es hilft aber dabei, Auffälligkeiten früh zu erkennen und definierte Reaktionen auszulösen. Wer eine Störung zuerst bemerkt – Mensch oder System – und wie schnell eine Reaktion eingeleitet wird, entscheidet oft darüber, ob aus einem Einzelereignis ein spürbarer Ausfall wird.
Backup und Wiederherstellung
Ein Backup ist keine Hochverfügbarkeit. Und ein vorhandenes Backup ist nicht dasselbe wie eine getestete Wiederherstellung. Regelmäßige SureBackup-Tests prüfen, ob gesicherte Daten und Systeme tatsächlich wiederhergestellt werden können – unter Bedingungen, die einem realen Fehlerfall möglichst nahekommen.
Dokumentierte Abhängigkeiten
Dokumentation verhindert keinen Ausfall. Sie macht aber Systeme, Abhängigkeiten und Zuständigkeiten nachvollziehbar – für alle Beteiligten, auch unter Zeitdruck. In einer gewachsenen IT-Infrastruktur ist das keine Selbstverständlichkeit, sondern das Ergebnis konsequenter Arbeit.
Redundanz beweist sich nicht auf dem Papier
Eine IT-Infrastruktur kann geplant, dokumentiert und überwacht werden. Besonders aufschlussreich wird ein Konzept jedoch dann, wenn der Normalbetrieb bewusst verlassen wird und die vorgesehenen Mechanismen unter realen Bedingungen relevant werden.
Der Black-Building-Test im DARZ am 9. September 2026 ist dafür ein konkretes und aktuelles Beispiel. Das Rechenzentrum hat diesen Test erfolgreich durchgeführt. Das Verhalten unserer eigenen Plattform haben wir während des Tests sorgfältig beobachtet. Die gewonnenen Erkenntnisse werden ausgewertet und dokumentiert – so, wie es nach jedem relevanten Ereignis sein sollte.
Was bleibt, ist die Erkenntnis, die weit über diesen einen Test hinausgeht: Konzepte, die nur im Normalbetrieb funktionieren, sind keine Ausfallkonzepte. Wer das erst beim ersten echten Zwischenfall feststellt, hat die Prüfung zum ungünstigsten Zeitpunkt abgelegt.
Wie steht es um Ihre IT-Infrastruktur?
Wissen Sie, welche Ihrer geschäftskritischen Anwendungen tatsächlich redundant aufgebaut sind – und nicht nur auf Geräten laufen, die zufällig zwei Netzteile besitzen? Was passiert, wenn nicht nur ein einzelner Server ausfällt, sondern eine gemeinsame technische Abhängigkeit? Wurde Ihr Backup bereits unter realistischen Bedingungen wiederhergestellt – oder ist es bislang lediglich vorhanden?
Diese Fragen sind unbequem. Aber sie sind die richtigen Fragen – und sie sollten gestellt werden, bevor etwas schiefläuft.
Ein guter IT-Dienstleister stellt diese Fragen nicht erst, wenn etwas schiefläuft. Er stellt sie bei der Planung.
— opticom IT-Systemhaus GmbH
Für den Kunden soll ein solcher Test unspektakulär bleiben

Planung statt Reaktion
Für die Technik bedeutet ein Black-Building-Test erhöhte Aufmerksamkeit, sorgfältige Beobachtung und anschließende Auswertung. Für den Kunden besteht der Idealfall darin, dass sein normaler Arbeitstag davon möglichst wenig beeinflusst wird. Dieser Idealfall entsteht jedoch nicht durch Glück – sondern durch Planung.
Dieselbe Frage gilt für jedes Unternehmen: Funktioniert Ihre IT nur im Normalbetrieb? Oder wurden Ausfälle einzelner Komponenten und gemeinsamer Abhängigkeiten bereits bei der Planung berücksichtigt – und wurde überprüft, ob die vorgesehenen Mechanismen tatsächlich greifen?
Wir sprechen gerne mit Ihnen über Ihre bestehende IT-Infrastruktur, über Abhängigkeiten, die möglicherweise noch nicht vollständig erfasst sind, und darüber, wie belastbar Ihre Ausfallvorsorge in der Praxis tatsächlich ist. Nicht als Verkaufsgespräch, sondern als technischer Austausch – mit dem Ziel, dass Ihre IT auch dann funktioniert, wenn es darauf ankommt.
Weiterführende Informationen
Hochsicherheits-Rechenzentrum DARZ
Erfahren Sie mehr über das Deutsche Rechenzentrum Darmstadt und die Infrastruktur, in der opticom seine Plattform betreibt.
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